Was bei der Geräteannahme auf den Schein gehört, und das PDF zum Ausdrucken.
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Kostenvoranschlag für Reparaturen: Vorlage und was rechtlich gilt
Ein Kostenvoranschlag sagt dem Kunden vorab, was die Reparatur voraussichtlich kostet. Rechtlich entscheidet sich an drei Fragen, ob er dir hilft oder Ärger macht: Ist er kostenpflichtig? Ist er verbindlich oder unverbindlich? Und was gilt, wenn die Reparatur teurer wird? Hier findest du die Kostenvoranschlag-Vorlage als kostenloses A4-PDF, die Antworten mit Paragrafen aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch und eine Checkliste, was hineingehört.
Inhalt
- Kostenpflichtig? Das Gesetz sagt: Ein Kostenanschlag ist im Zweifel nicht zu vergüten (§ 632 Abs. 3 BGB). Willst du Geld dafür, vereinbare es vor der Erstellung.
- Verbindlich oder nicht? Das BGB unterscheidet danach, ob der Unternehmer die Gewähr für die Richtigkeit des Anschlags übernommen hat (§ 649 Abs. 1 BGB). Schreibe deshalb ausdrücklich dazu, was du meinst.
- Wird es teurer? Zeichnet sich eine wesentliche Überschreitung ab, musst du dem Kunden unverzüglich Bescheid geben (§ 649 Abs. 2 BGB). Eine Prozentgrenze nennt das Gesetz nicht.
- Preis ändern? Eine nachträgliche Änderung des Vertragsinhalts braucht die Zustimmung des Kunden (§ 311 Abs. 1 BGB). Hole sie ein, bevor du weiterarbeitest.
Was ist ein Kostenvoranschlag in der Werkstatt?
Der Kostenvoranschlag ist die schriftliche Preisauskunft vor der Reparatur: Welche Leistungen und Teile sind nötig, und was kosten sie zusammen? Das Gesetz spricht vom Kostenanschlag und regelt ihn in zwei Vorschriften des Werkvertragsrechts, § 632 Abs. 3 und § 649 BGB. Eine Reparatur ist in aller Regel ein Werkvertrag: Der Unternehmer schuldet die Herstellung des versprochenen Werkes, der Besteller die vereinbarte Vergütung, und Gegenstand kann auch die Veränderung einer Sache sein (§ 631 BGB).
Das BGB schreibt keinen Kostenvoranschlag vor. Du erstellst ihn, wenn der Kunde den Preis vor der Reparatur wissen will, wenn der Aufwand schwer zu schätzen ist (etwa bei Wasserschäden oder bei einer Fehlersuche) oder wenn eine Versicherung ihn verlangt. Für einfache Standardreparaturen reicht oft eine Festpreisliste, die der Kunde bei der Annahme unterschreibt. Wie du solche Preise herleitest, steht im Artikel Reparaturpreise kalkulieren, die Annahme dokumentierst du mit dem Annahmeschein.
Ist ein Kostenvoranschlag kostenpflichtig?
Im Zweifel nein. Das Gesetz sagt es in einem Satz: „Ein Kostenanschlag ist im Zweifel nicht zu vergüten“ (§ 632 Abs. 3 BGB). Die Formulierung „im Zweifel“ bedeutet, dass die Regel greift, wenn nichts anderes vereinbart ist. Für die Praxis folgt daraus:
- Vereinbare das Entgelt vorher. Der Kunde muss wissen, dass die Erstellung Geld kostet und wie viel, bevor du anfängst. Die Vorlage hat dafür ein eigenes Feld mit „kostenlos“ oder „Entgelt“.
- Sage, ob es verrechnet wird. Viele Werkstätten rechnen das Entgelt an, wenn der Kunde die Reparatur beauftragt. Das ist deine Entscheidung. Schreibe sie auf, damit es bei der Rechnung keine Überraschung gibt.
- Setze das Entgelt nicht ins Kleingedruckte. Ob eine vorformulierte Klausel in deinen AGB wirksam ist, hängt vom Einzelfall ab. Lass sie von einer Rechtsberatung prüfen.
Bei Geräten, deren Fehler du erst mit Aufwand findest, bietet sich eine feste Diagnose-Regel an: Du nennst vorab einen Betrag für die Fehlersuche, und der Kunde entscheidet danach, ob er repariert. Eine solche Pauschale vereinbarst du vorab ausdrücklich und hältst sie schriftlich fest, am besten im Annahmeschein.
Verbindlicher oder unverbindlicher Kostenvoranschlag?
Das Gesetz kennt die Begriffe „verbindlich“ und „unverbindlich“ nicht, es knüpft an eine andere Frage an: Hat der Unternehmer „die Gewähr für die Richtigkeit des Anschlags“ übernommen oder nicht (§ 649 Abs. 1 BGB)? Daraus ergibt sich die gängige Unterscheidung.
| Unverbindlich (Schätzung) | Verbindlich (mit Gewähr) | |
|---|---|---|
| Was du erklärst | „Die Reparatur kostet voraussichtlich etwa …“ Du übernimmst keine Gewähr für die Richtigkeit. | „Die Reparatur kostet … Wir übernehmen die Gewähr für die Richtigkeit.“ |
| Regel im BGB | § 649 BGB gilt: Bei einer wesentlichen Überschreitung kann der Kunde kündigen, und du bekommst nur den Anspruch aus § 645 Abs. 1 BGB. Du musst die Überschreitung unverzüglich anzeigen. | § 649 BGB gilt hier nicht. Mit Gewähr ist der genannte Preis verbindlich: Wird es teurer, trägst du die Mehrkosten selbst, außer der Kunde erweitert den Auftrag (§ 311 Abs. 1 BGB). |
| Praktisch | Geeignet, wenn der Aufwand erst bei der Reparatur klar wird. | Geeignet bei klarem Aufwand, etwa Display oder Akku. Du stehst für den genannten Preis ein. |
| Was auf dem Papier stehen sollte | Das Wort „unverbindlich“ oder „Schätzung“, dazu die Zusage, bei einer Überschreitung vor dem Weiterarbeiten zu fragen. | Das Wort „verbindlich“ oder „Festpreis“ und die Gültigkeitsdauer. |
Die Vorlage hat deshalb zwei Kästchen: „unverbindlich (Schätzung)“ und „verbindlich (Festpreis, wir übernehmen die Gewähr für die Richtigkeit)“. Kreuze genau eines an. Ein Kostenvoranschlag ohne Aussage dazu lässt Raum für Streit.
Was gilt, wenn die Reparatur teurer wird?
Der häufigste Fall in der Werkstatt: Beim Öffnen des Geräts zeigt sich ein zweiter Defekt, oder ein Teil kostet mehr als gedacht. Das Gesetz regelt den Fall in § 649 BGB:
- Anzeigepflicht: Ist eine wesentliche Überschreitung des Anschlags zu erwarten, hat der Unternehmer dem Besteller unverzüglich Anzeige zu machen (§ 649 Abs. 2 BGB). „Unverzüglich“ heißt: ohne schuldhaftes Zögern. Sage dem Kunden Bescheid, bevor du weiterarbeitest.
- Kündigung: Kündigt der Besteller aus diesem Grund, steht dir bei einem Anschlag ohne Gewähr nur der Anspruch aus § 645 Abs. 1 BGB zu (§ 649 Abs. 1 BGB). Das ist ein der geleisteten Arbeit entsprechender Teil der Vergütung und der Ersatz der Auslagen, die in der Vergütung nicht enthalten sind.
- Allgemeines Kündigungsrecht: Unabhängig davon kann der Besteller bis zur Vollendung des Werkes jederzeit kündigen (§ 648 BGB). Dann darfst du die vereinbarte Vergütung verlangen, musst dir aber ersparte Aufwendungen und anderweitigen Verdienst anrechnen lassen. Vermutet werden 5 Prozent der Vergütung für den noch nicht erbrachten Teil.
Was eine „wesentliche“ Überschreitung ist, sagt das Gesetz nicht. Eine feste Prozentgrenze steht nicht im Text, es kommt auf den Einzelfall an. Lege eine eigene Regel fest, die der Kunde im Kostenvoranschlag sieht, zum Beispiel: „Steigt der Preis um mehr als 10 Euro, melden wir uns, bevor wir weiterarbeiten.“ Das ist keine gesetzliche Grenze, sondern deine Vereinbarung mit dem Kunden. Sie gibt beiden Seiten einen klaren Maßstab.
Wichtig für den Alltag: Willst du einen vereinbarten Preis nachträglich erhöhen, brauchst du dafür die Zustimmung des Kunden. Die Änderung des Inhalts eines Schuldverhältnisses erfordert einen Vertrag zwischen den Beteiligten (§ 311 Abs. 1 BGB). Frage deshalb vor dem Weiterarbeiten nach, am besten so, dass du die Antwort festhalten kannst.
Was in den Kostenvoranschlag gehört
Ein gesetzliches Formular mit Pflichtfeldern gibt es nicht, aber diese Angaben schützen dich. Die Liste folgt aus den Regeln oben und aus der Preisangabenverordnung (der Gesamtpreis gegenüber Verbrauchern ist vorgeschrieben, § 3 PAngV). Die Felder der Vorlage entsprechen ihr.
| Feld | Inhalt | Warum |
|---|---|---|
| Betrieb, KV-Nummer, Datum | Name und Anschrift der Werkstatt, fortlaufende Nummer, Erstellungsdatum | Ordnet den Kostenvoranschlag eindeutig zu und beweist, wann er abgegeben wurde. |
| Gültig bis | Datum, bis zu dem der Preis gilt | Für die Annahme eines Antrags mit Frist gilt § 148 BGB: Sie kann nur innerhalb der Frist erfolgen. Ohne Frist bestimmt § 147 BGB, bis wann angenommen werden kann. |
| Kunde und Gerät | Name, Anschrift, Telefon, E-Mail; Hersteller, Modell, IMEI oder Seriennummer, Auftragsnummer | Verknüpft den Preis mit dem richtigen Gerät und dem Annahmeschein. |
| Befund | Was festgestellt wurde und was vorgeschlagen wird | Zeigt, wofür der Preis gilt. Wird später mehr nötig, ist klar, was nicht dabei war. |
| Positionen | Leistungen und Teile einzeln mit Menge, Einzelpreis, Gesamt | Der Kunde sieht, was er zahlt. Wird ein Preis aufgegliedert, ist der Gesamtpreis hervorzuheben (§ 3 Abs. 3 PAngV). |
| Gesamtpreis | Brutto, inklusive Umsatzsteuer; bei Kleinunternehmern ohne Umsatzsteuer mit Hinweis auf § 19 UStG | Gegenüber Verbrauchern sind Gesamtpreise anzugeben (§ 3 Abs. 1 PAngV). |
| Art | unverbindlich oder verbindlich (Gewähr) | Entscheidet über § 649 BGB, siehe oben. |
| Entgelt für den Kostenvoranschlag | kostenlos oder Betrag, ob verrechnet | Ohne Vereinbarung ist er im Zweifel nicht zu vergüten (§ 632 Abs. 3 BGB). |
| Dauer | voraussichtliche Werktage nach Freigabe und Teileeingang | Setzt Erwartungen, auch bei Lieferzeiten für Teile. |
| Überschreitung | Zusage, sich vor dem Weiterarbeiten zu melden | Entspricht der Anzeigepflicht aus § 649 Abs. 2 BGB. |
| Freigabe | Reparatur freigegeben, abgelehnt oder nur teilweise freigegeben; Ort, Datum, Unterschrift | Dein Nachweis, dass der Kunde den Preis kennt und die Reparatur will. |
Freigabe festhalten: so beweist du, was vereinbart war
Ein Kostenvoranschlag, den niemand bestätigt hat, ist bei Streit wenig wert. Halte deshalb fest, wer ihn wann und auf welchem Weg freigegeben hat. Das geht auf Papier mit Unterschrift im Laden, per Antwort auf deine E-Mail oder digital auf einer Seite, auf der der Kunde annimmt oder ablehnt. Wichtig sind zwei Dinge:
- Teilfreigabe zulassen. Manchmal will der Kunde nur das Display tauschen lassen und den Akku nicht. Die Vorlage hat dafür eine eigene Zeile.
- Ablehnung dokumentieren. Wenn der Kunde ablehnt, bekommt er sein Gerät zurück. Vermerke, wann und wie das geschehen ist, sowie ein vereinbartes Entgelt für den Kostenvoranschlag oder die Diagnose.
Wartet der Kunde mit der Antwort, hilft eine Erinnerung. Denn jeder Tag, den das Gerät bei dir liegt, kostet Platz und Aufmerksamkeit.
Ausgefülltes Beispiel
So könnte ein verbindlicher Kostenvoranschlag für einen Displaytausch aussehen. Die Angaben sind frei erfunden.
| Feld | Eintrag |
|---|---|
| KV und Gerät | KV-2026-0187 vom 14.10.2026, gültig bis 28.10.2026; Smartphone, Apple iPhone 13, IMEI eingetragen, Auftrag A-2417 |
| Befund | Display gesprungen, Touch ausgefallen; übrige Funktionen im Test unauffällig. Vorgeschlagen: Displaytausch |
| Position 1 | Ersatzdisplay, Menge 1, Einzelpreis brutto 89,00 €, Gesamt brutto 89,00 € |
| Position 2 | Einbau und Funktionstest, Menge 1, Einzelpreis brutto 30,00 €, Gesamt brutto 30,00 € |
| Summen | darin netto 100,00 €, darin Umsatzsteuer 19 % 19,00 €, Gesamtpreis 119,00 € |
| Art | verbindlich (Festpreis, wir übernehmen die Gewähr für die Richtigkeit) |
| Entgelt | kostenlos |
| Dauer | 2 Werktage nach Freigabe und Teileeingang |
| Überschreitung | Zeichnet sich eine wesentliche Überschreitung ab, melden wir uns unverzüglich, bevor wir weiterarbeiten |
| Freigabe | Reparatur zu diesem Preis freigegeben, 15.10.2026, Unterschrift Kunde |
Bei einem unverbindlichen Kostenvoranschlag, etwa nach einem Wasserschaden, kreuzt du stattdessen „unverbindlich (Schätzung)“ an, trägst eine Spanne in die Positionen ein und schreibst das vereinbarte Entgelt ins Feld, zum Beispiel „25,00 € brutto, vorher vereinbart, wird bei Auftrag verrechnet“.
Häufige Fragen zum Kostenvoranschlag
Darf ich für einen Kostenvoranschlag Geld verlangen?
Ja, wenn du es vorher mit dem Kunden vereinbarst. Ohne Vereinbarung ist ein Kostenanschlag im Zweifel nicht zu vergüten (§ 632 Abs. 3 BGB). Nenne das Entgelt, bevor du anfängst, und schreibe es in den Kostenvoranschlag. Eine vorformulierte Klausel in den AGB sollte rechtlich geprüft sein.
Muss ich überhaupt einen Kostenvoranschlag erstellen?
Das BGB schreibt für Werkverträge keinen Kostenvoranschlag vor. Gegenüber Verbrauchern musst du aber Gesamtpreise nennen, wenn du Leistungen mit Preisangabe anbietest (§ 3 PAngV). Für Standardreparaturen reicht eine Preisliste, bei unklarem Aufwand ist der Kostenvoranschlag sinnvoll.
Wie lange ist ein Kostenvoranschlag gültig?
So lange, wie du es hineinschreibst. Hast du für die Annahme eine Frist bestimmt, kann der Kunde nur innerhalb der Frist annehmen (§ 148 BGB). Ohne Frist gilt für einen Abwesenden: bis zu dem Zeitpunkt, in dem du die Antwort unter regelmäßigen Umständen erwarten darfst (§ 147 Abs. 2 BGB). Eine Frist wie 14 Tage macht die Lage klarer.
Was tue ich, wenn die Reparatur teurer wird als der Kostenvoranschlag?
Sage dem Kunden unverzüglich Bescheid, wenn eine wesentliche Überschreitung zu erwarten ist (§ 649 Abs. 2 BGB), und arbeite erst nach seiner Zustimmung weiter. Einen vereinbarten Preis nachträglich zu ändern braucht seine Zustimmung (§ 311 Abs. 1 BGB). Mit einem verbindlichen Kostenvoranschlag, also mit Gewähr, stehst du für den genannten Preis ein.
Wie viel Prozent Überschreitung sind erlaubt?
Eine Prozentgrenze steht nicht im Gesetz. § 649 BGB spricht von einer „wesentlichen“ Überschreitung, und was wesentlich ist, hängt vom Einzelfall ab. Lege besser selbst eine Grenze fest, die der Kunde im Kostenvoranschlag sieht, und melde dich, bevor du sie überschreitest.
Was ist, wenn der Kunde nach dem Kostenvoranschlag nicht reparieren lässt?
Dann bekommt er sein Gerät zurück. War ein Entgelt für den Kostenvoranschlag oder eine Diagnose vorher vereinbart, darfst du es berechnen. War nichts vereinbart, ist der Kostenanschlag im Zweifel nicht zu vergüten (§ 632 Abs. 3 BGB). Kündigt der Kunde nach Beginn der Reparatur, gilt § 648 BGB.
Quellen
- § 631 BGB: Vertragstypische Pflichten beim Werkvertrag (gesetze-im-internet.de)
- § 632 BGB: Vergütung (Absatz 3: Kostenanschlag)
- § 649 BGB: Kostenanschlag und § 645 BGB: Verantwortlichkeit des Bestellers
- § 648 BGB: Kündigungsrecht des Bestellers
- § 311 BGB: Rechtsgeschäftliche und rechtsgeschäftsähnliche Schuldverhältnisse (Absatz 1)
- § 147 BGB: Annahmefrist und § 148 BGB: Bestimmung einer Annahmefrist
- § 3 PAngV: Pflicht zur Angabe des Gesamtpreises
- § 19 UStG: Besteuerung der Kleinunternehmer
Stand: Oktober 2026, die Quellen wurden am 18. Oktober 2026 abgerufen. Das Beispiel ist erfunden. Dieser Artikel ersetzt keine Steuer- oder Rechtsberatung.
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